19. Chaos-Woche

Halleluja, was für eine Woche. Im Grunde könnte alles so einfach sein, selbst in unserer Situation. Mein Vater ist gut eingestellt (blödes Wort, ist aber so). Er ist ausgeglichen, isst gut, nimmt allmählich wieder zu – also was wollen wir mehr. Das mit dem Pflegedienst klappt auch ganz gut, wenngleich die vielen unterschiedlichen Pflegerinnen, die hier täglich ankommen, schon ziemlich viel von meinem Vater abverlangen. Etwas weniger personeller Wechsel, wäre schon gut, aber wir bekommen Hilfe, also meckern wir mal nicht.

Viel zu früh fürs Bett

Zeitlich ist das Pflegethema auch noch nicht ganz so gut auf den Rhythmus meiner Eltern abgestimmt. Das abendlich Pflegeteam kommt gegen 18:30 Uhr. Da sind meine Eltern noch am Abendessen. Und was viel schwerer wiegt, um diese Zeit geht noch niemand ins Bett. Also warum dann jetzt schon den Schlafanzug anziehen. So im Dämmerzustand ist mein Vater noch nicht, dass auch ihm nicht klar ist: 18:30 Uhr ist zu früh fürs Bett. Zudem gehen meine Eltern um diese Zeit natürlich auch nicht ins Bett. Lange Rede – diese Uhrzeit läuft meiner Mutter so mal gar nicht rein. Also sagt sie großmütig: abends bekomme ich das mit dem Umziehen auch allein hin – kein Problem. Und ich Depp glaub das. Bestell den Pflegedienst am Abend ab und ahne nicht, was ich damit anrichte.

In die eigene Tasche lügen

Ach herrje, die Laune meiner Mutter wird von Tag zu Tag schlechter. Was ist los, frage ich mich. Sie wird mürrischer und mürrischer. Der Ton wird ruppiger und immer lauter. Als die ersten Türen schlagen, werde ich misstrauisch und schau mal nach dem Rechten: Siehe da, das Umziehen ist wieder zum Kampf geworden. Und diesmal ist nicht mein Vater der „Übeltäter“, sondern die Laune meiner Mutter führt zum Dilemma. Sie ist (verständlicherweise) genervt, weil mein Vater einfach nicht auf Anhieb versteht, was sie von ihm will. Hose hoch, Hose runter, Socken an, T-Shirt aus, Schlafanzug an … das ist ihm zu viel, meiner Mutter geht’s nicht schnell genug und alle sind genervt. Die Stimmung kippt. So eine professionelle Pflegekraft hat da in der Regel die Ruhe weg. Meine Mutter bereits nach ein paar Tagen nicht mehr. Die Kacke ist am Dampfen und Mist: Jetzt ist auch noch Wochenende.

Plan B

Also springe ich ein. Zwei Tage bekommen wir das überbrückt. Gesagt, getan. Gegen 21:30 Uhr schleppe ich mich also zu meinen Eltern. Natürlich nach meinen ersten Nickerchen auf dem Sofa. Papa umziehen und ins Bett bringen wird erledigt und verläuft relativ harmonisch. Alles gut und Gute Nacht. Blöd nur, dass ich jetzt wieder hellwach bin. An schlafen ist die nächsten zwei, drei Stunden bei mir nicht zu denken. Okay, es ist Wochenende, da geht das schon. Unter der Woche nicht, schließlich muss ich arbeiten. Ab Montag kommt dann also wieder der Pflegedienst. Was für ein Hick-Hack, aber gut, man muss seinen Weg eben finden. Manchmal nimmt man die falsche Abzweigung, dann heißt es wohl umkehren. Und wenn Mutti übermutig wird, muss die Tochter sie halt zwischendurch bremsen. Ich hoffe nur, dass der Pflegedienst es irgendwie einrichten kann, etwas später am Abend zu uns zu kommen. Aber ja, ich weiß, wir sind nicht allein auf der Welt. Naja, es wird sich schon irgendwie fügen. Alles wird gut. Hoffe ich.

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