24. Wie man in den Wald hineinschreit…

So hallt es auch wieder heraus. Eine Erfahrung, die wir heute mal wieder machen mussten. Papa kam schon mit schlechter Laune von der Tagepflege nachhause. Dann hat er sich auch noch eingestuhlt. Also war saubermachen angesagt. Was mutt, dat mutt. Miese Laune hin, schlechte Laune her. Also ab damit ins Badezimmer. Leider waren wir beim Hintern saubermachen etwas unvorsichtig. Einmal ziepen und Papa flippt aus. Ich hatte alle Mühe ihn wieder zu beruhigen. Ein paar Tritte und Seitenhiebe später war alles wieder gut und wir konnten weitermachen. Dieses Mal bitte etwas vorsichtiger. Jetzt hat’s gut geklappt und einmal noch frische Hose anziehen – fertig.

Einmal wegducken bitte

Jau, leichter gesagt als getan, denn Papa war im Moment in seiner eigenen Welt. Erzählte dies, brummte das, nur in die Hose schlüpfte er nicht. Also wartete ich. Versuchte es nochmal mit: „Kommt wir ziehen die Hose an“. Er sagt „ja“ und zieht sich die Socken aus. Äh nicht die ausziehen. Hose anziehen. Okay, dann doch, Socken ausziehen und etwas zuwarten. Einen Socken zieht er unterdessen wieder an. Der andere ist auf einmal verschwunden. Das gibt’s doch nicht. Wo ist das scheiß Teil hin. Mama holt einen neuen Socken. Solange versuchen Papa und ich es noch einmal mit „In die Hose hineinschlüpfen“. Ah jetzt ja, ein Fuß ist drin. Der andere nicht. Dauert noch ein bisschen. Ich versuch’s noch mal. War wohl ein bisschen forsch, denn schwupp Papa wird sauer, holt aus – aber die Tani duckt sich weckt. Man wird schneller mit der Zeit. Übung macht den Meister im Wegducken 😊. Nicht getroffen… alles ist gut

Einfach mal umarmen

Falsch gedacht, denn just in diesem Moment schreit Mama lauthals: „DU sollt uns nicht wehtun!“ Das war zu viel. Jetzt flippt er aus. Packt meine Mutter an den Haaren und ich habe alle Mühe, die beiden wieder auseinander zu bekommen. Mensch Mama, schrei doch nicht so! Papa schaut uns an. Küsst die Mutter und sagt: „Ich bin doch lieb.“ Und mir bricht es das Herz.

Beide, Mama und Papa, sind einigermaßen aufgewühlt. Ich entscheide mich, dass ich mich jetzt erst mal um Papa kümmere. Streichle ihn vorsichtig am Arm, sage „alles gut, es ist alles gut.“ Und nehme ihn in den Arm. Langsam entspannt er wieder. Es ist nicht immer gut, ihn in solchen Situationen in den Arm zu nehmen. Manchmal wird er dann wieder sauer. Heute aber war es gut. Jeder Tag, jede Situation ist immer wieder neu und muss auch als solche immer wieder neu eingeschätzt werden. Eine immer wiederkehrende sich ständig verändernde Herausforderung, die niemand allein mit dem Verstand lösen kann. Gefühl und Herz ist hier nötig, weil der Verstand bei dieser Scheiß Alzheimer einfach nicht mehr weiterhelfen kann.

Doch nicht alles ist traurig und schlecht. Nein, eigentlich läuft es mit Papa die vergangenen Wochen ziemlich gut. Bis auf wenige Ausraster – die leider auch mal heftig ausfallen können – ist er entspannt, auch bei der Körperpflege. Und ihm schmeckt es, ihm schmeckt es sehr gut. Essen scheint zu seiner neuen Lieblingsbeschäftigung geworden zu sein. Die Kilos, die er in der Klinik verloren hat, sind fast wieder drauf und allmählich müssen wir aufpassen, dass er nicht zu viel ist und wieder dicker wird. Wie wir das machen, erzähl ich euch ein anderes Mal. Für heute ist Schluss. Ich bin müde. Gut’s Nächtle…

Bildquelle: shutterstock.com

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